Anspruch & Wirklichkeit - Kultur diesseits des Hauptstromes

Flexibel!

Flexibel!

Flexibel! ist ein dynamisches musikalisches Trio mit zeitgemäßer, textlicher Reife. Im Mittelpunkt steht – wie der Bandname mitteilt – die Flexibilität in eigener Sache. Es ist, wie es ist und darauf lässt sich Flexibel! ein, ohne zu verhehlen, dass der Anspruch noch nicht Wirklichkeit ist.

Geprägt von den verschrobenen Seiten der 70er, dem Punk der 80er Jahre und den härteren Klängen der 90er, mittlerweile sehr vielseitig interessiert an allen möglichen Richtungen, entsteht ein ungezwungener, eigenständiger Sound.

Das Debütalbum „Drei Mal Wahnsinn bitte“ erscheint 2020 und hebt ab durch eine Kombination subtiler, musikalischer Tiefe mit deutschen Texten, die auf die vorhandene, nicht sichtbare und wissenschaftlich kaum greifbare Leere zwischenmenschlichen Seins abzielen.

Transportiert wird alles durch eine Stimme, die zugleich von einer Gitarre untermalt wird, einem strukturierten, aber dennoch verspielten Bass und einem Schlagzeug, das – je nach Stimmung – fordernd vorantreibt oder zurückgelehnt und entspannt der Musik den Rhythmus gibt.

Insgesamt entsteht so im Ergebnis ein Flow, der die drei Gestalten verbindet und im besten Fall bis zu den Hörer*innen vordringt und ein kleines geistiges Fenster öffnet, durch den der Anspruch scheint und dadurch wirklich wird.

Veröffentlichungen

Waves

WAVES

Gestartet sind Flexibel! mit einer Veröffentlichung der spontanen Session mit der Hamburger Sängerin Ming. Im August 2020 erblickte dieses ungeplante Erstlingswerk die Welt der Streaming-Plattformen.

Es trafen sich Wolly B. Good an der Gitarre, Olli Rigörhead an den Drums, TNGX am Bass und die besagte Ming am Mikrofon. Zu hören ist vollständig improvisierte Musik mit ebenso spontanen englischen Texten. Alles in Eigenregie aufgenommen und veröffentlicht.

Drei Mal Wahnsinn bitte

Die erste geplante Veröffentlichung von Flexibel! erschien im Oktober 2020. Sie nennt sich „Drei Mal Wahnsinn bitte“, was dem letzten Lied „20 Jahre“ der EP entsprungen ist. Die Veröffentlichung ist geprägt von deutschen Texten und einem minimalistischen musikalischen Arrangement aus Gitarre, Bass und Schlagzeug.

Ohne große Nachbearbeitung und Effekthascherei wurde dieses Werk dann unter die Leute gebracht und sorgte teilweise für Anklang als auch Verwirrung und Kopfschütteln. Die grafische Gestaltung übernahm Mr. Boombasti:

http://www.dapfeiftihrschweindesign.de/

Drei Mal Wahnsinn Bitte
Flexibel! Mox Foto

"Kreativer Strom"

Im Oktober 2020 wurde die lokale Presse in Form des Oldenburger Veranstaltungsjournals „MOX“ auf Flexibel! aufmerksam. Entstanden ist ein längeres Bandportrait, das unten nachgelesen werden kann. 

DAF, The Cure oder Sisters of Mercy, Post-Punk erobert Anfang der 80er-Jahre die Welt, dicht gefolgt von Kraut-Rock und New Wave. Wer denkt nicht gerne an diese Zeit zurück, gerade wenn im Radio den ganzen Tag nur Trap läuft. Das Trio Flexibel! aus Oldenburg fühlt sich hingegen pudelwohl in der Musik der Achtziger und drückt ihr einen ganz eigenen Stempel auf. Noch kein Jahr alt, kann die Band schon einen umfangreichen kreativen Output aufweisen und hat nicht vor, ihre Kreativphase einzustellen.

„Letztes Jahr im Sommer fing die Geschichte der Band an, wir haben als Trio geprobt und eigentlich noch einen Bassisten gesucht“, erinnert sich Gitarrist Wolfgang. Wenig später verlässt aber schon Keyboarder Guido die Gruppe und mit Niklas findet die Band einen Ersatz, der zudem auch die Funktion des gesuchten Bassisten einnimmt. „Gleich beim ersten Proben hat es gefunkt und die Chemie passte. Wir machen ja eher experimentelle Sachen, die auch nicht jedermann gefallen“, so Wolfgang. Gleich bei der ersten Probe entstehen erste Songs oder Fragmente. Von Beginn an ist klar, die Bänder laufen bei den Proben mit und immer wieder gibt das Trio über Soundcloud Einblicke in sein Schaffen. Diese Arbeitsweise funktioniert auch deswegen so gut, da Schlagzeuger Olli und Wolfgang schon seit Kindestagen miteinander befreundet sind und seit langem gemeinsam Musik machen. „Die Jungs haben jemanden für New-NDW, Kraut-Rock und Post-Punk gesucht und das passte wie die Faust aufs Auge“, so Niklas. „Also den Begriff New-NDW gibt es ja eigentlich noch gar nicht, es war aber ein Wink hin zu Fehlfarben“, ergänzt Olli. Ein Wink in die Achtziger ist auch der Ansatz, den die Band zu Beginn ihres Schaffens verfolgte: „Erst wollten wir uns an der „Geniale Dilettanten“ Szene orientieren, teilweise hat sich das aber nun gewandelt.“ So veröffentlicht die Band nicht nur ihre musikalischen Schnellschüsse, sondern arbeitet auch daran, die Songs besser auszuarbeiten und diese dann physisch auf CD und Vinyl zu veröffentlichen. So vielfältig und flexibel die Songs des Trios auch sein mögen, eines ist klar, mit dem Blues will man nichts zu tun haben. „Wir sind eben mit Wave und Punk aufgewachsen und Blues ist ein ziemlich ausgelutschtes Ding, das ist nicht unser Ding“, erklärt Olli.

Aktuell hat die Band bereits ihre zweite CD veröffentlicht und das hat auch etwas mit den Umständen der Corona-Epidemie zu tun: „Wir haben ja noch nie als Flexibel! Live gespielt. Würden wir natürlich gerne, aber im Moment ist es für uns spannender, Songs zu veröffentlichen.“ So gibt die Situation der Band viel Freiheit, einfach  auszuprobieren und sich abseits des Arbeitsalltages voll in die Kreativität zu stürzen. „Wir müssen uns jetzt keinen Kopf machen, etwas zu promoten, wir können uns einfach austoben.“ Das heißt auch, dass die Band offen für immer neue Einflüsse und Stile bleiben will, ohne sich auf einen speziellen Stil festzulegen. Dabei stechen auf dem Debütalbum „Drei mal Wahnsinn“ auch die Texte heraus. Hier stehen vor allem zwischenmenschliche Beziehungen und die Frage nach dem menschlichen Sein im Mittelpunkt oder auch die Vereinzelung des Menschen in der zunehmend digitalen Gesellschaft. Inspiration für die Texte findet Niklas dabei in seinem Soziologiestudium, das hier quasi eine methodische Grundlage darstellt. Die Musik kontrastiert die Texte, kommt straight und roh daher und erinnert an eine Kraut-Rock-Version der frühen Tocotronic. Mit diesem Mix hat sich die Band mit Sicherheit eine Nische in der Oldenburger Musikszene erspielt, die es in Zukunft weiter auszubauen gilt. Beim bisherigen Output von Flexibel! braucht man sich darüber aber wohl keine Sorgen zu machen.

Text : Christoph Kienemann

Songtext "Nicht Abschied"

Nicht Abschied

Von sich

Für sich

Von Dir

Für Dich

Nach sieben Tagen war er fort
An keinem Ort Zu finden
Hier in der Leere des Raumes
Allein die Stille spricht

Die Wochen vergingen und er kam wieder
Wollte Lieder schreiben
Überdenken
Sich etwas verrenken

Um so zu sein
Verwickelt in Pläne
Dann gab er auf und ging
Weil man ihn nicht achtete

Beruhig dich Verstand

Obwohl er wusste
Um die Verluste
Die er erzeugte
Für sich und andere

Es lag an ihm
Das war ihm meist klar
Doch zugleich auch nicht
Denn die anderen hatten es auch

Es fiel ihm daher schwer zu gehen
Und den Kämpfen zu widerstehen
Beobachtete die Kampfeslust
Reflektierend, sich lösend

Von sich

Für sich

Von Dir

Für Dich

Beruhig dich Verstand
Und er verschwand

Songtext "Unausgedrückt"

Unausgedrückt

Bitte check, dass ich nicht führe

Ich rühre die Gefühle
Gebe keine Antwort
Alles Lüge
Bitte check, dass ich nicht führe

Ich bin nicht
Auf gewisser Ebene, deiner Ebene
Deiner Ebene der Gefühle
Sind wir erstmal zwei
Die Zeit vergeht
Im psychologischen Sinne

Verbannt, verdammt
In die Dimension des Banalen
Überwindung kostend
Kommen wir ins Gespräch

Diskrepanz sagst du?
Ich sage tanz! Bitte

Bitte check, dass ich nicht führe
Es ist der falsche Plan
Macht ist kaputt
Ein falsches Konstrukt
Vernunft ist tot
Konstruiert in der Zeit
Wo es keine Wahrheit gibt
Bitte check, dass ich nicht führe

Auf der Fläche ein Kreis, der sich schließt
Danke Kreis
Wir schließen uns dir an
Zuerst mein Ich
Dann du
Dann er

Auf gewisser Ebene ein Datenstrom,
der uns durchfließt
Gegen die Vereinzelung
Sorgen, Nöte, Wunden
Überwunden

Bitte check, dass ich nicht führe
Ich rühre die Gefühle
Gebe keine Antwort
Alles Lüge
Bitte check, dass ich nicht führe

Flexibel!

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